Das Interview findet statt zwischen der Gruppe „FREIe HEIDe –
                          > Neuruppin/Berlin“ und der Gruppe „Elija“.
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                          > Zu „resist now – 200 gruppen in die FREIe HEIDe“ wird seit Anfang August d. J.
                          > aufgerufen. In der kurzen zeit bis Mitte Oktober sind bereits mehrere
                          Aktionsgruppen
                          > in der FREIen HEIDe aktiv geworden. Welche Motivation hattet Ihr dem Aufruf zu
                          > folgen? Hattet Ihr als Gruppe bereits Erfahrungen mit ähnlichen Aktionen?
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                          > Antwort zu 1:
                          > Das war unsere erste gemeinsame Aktion. Der Aufruf aus der FREIen
                          > HEIDe war einer der Auslöser für die Gründung unserer Gruppe. Wir möchten
                          > gegen zukünftige Kriege schon jetzt aktiv werden, indem wir etwas
                          > gegen ihre Vorbereitung unternehmen. Wenn erstmal Bomben auf fremde
                          > Städte fallen, dann ist es zu spät, mit dem Widerstand anzufangen.
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                          > Über 10 Jahre gibt es bereits den Protest gegen den geplanten
                          > Luft/Boden-Schießplatz in der Region. Von Jahr zu Jahr wird auch der Widerstand
                          > größer und immer mehr Gruppen über die Region hinaus unterstützen die
                          Bevölkerung
                          > vor Ort.
                          > 
                          > Was habt Ihr gedacht, wer oder was euch dort erwartet? Wie habt Ihr euch auf die
                          > Aktion konkret vorbereitet und wie lief die Zusammenarbeit mit den Menschen dort,
                          > die euch unterstützten?
                          > 
                          > Antwort zu 2:
                          > 
                          > Eine von uns war schon beim Sommercamp in der Heide und konnte sich so
                          > ein Bild von der Situation vor Ort machen. Wir haben im Vorfeld mit
                          > Leuten von euch und von der BI FREIe HEIDe telefoniert, dadurch hatten
                          > wir ein ganz gutes Bild. Man merkt, dass die Kampagne noch ganz neu
                          > ist: ihr habt vor Ort haben noch wenig Routine darin, Gruppen von
                          > außerhalb zu unterstützen. Nach Informationen über die möglichen
                          > juristischen Folgen der Aktion mussten wir z.B. ziemlich lange
                          > forschen. Auch die Frage nach möglichen Quartieren, falls wir mehr
                          > werden, war nicht so ganz einfach zu beantworten. Aber letztlich hat alles sehr gut
                          > geklappt. Wir konnten im Café Hinterhof komfortabel übernachten, und
                          > Leute von der Neuruppiner Gruppe erzählten uns, was in der letzten
                          > Zeit so gelaufen ist. Sie zeigten uns auch eine große Karte und
                          > erzählten uns alles, was sie über das Gelände wussten.  
                          > 
                          > 
                          > 
                          > Wie ist dann eure Aktion abgelaufen? Habt Ihr Kontakt bzw. Schwierigkeiten mit der
                          > Polizei, mit Wachleuten oder mit Soldaten gehabt?
                          > 
                          > 
                          > Antwort zu 3:
                          > 
                          > Gar nicht. Wir hätten ja da gar nichts dagegen gehabt, denn wir
                          > verstehen unsere Aktion als Zivilen Ungehorsam und wären dafür gerne
                          > auch vor Gericht gegangen. Aber die Aktionen des Sommercamps hatten
                          > wohl nachhaltige Wirkung, noch immer ist die Heide offen. Wir haben
                          > das Gelände bei Lutterow betreten und sind von dort durch den Wald -
                          > natürlich nur auf Wegen - in Richtung des Bombodroms gegangen. Als wir
                          > kurz vor dem Zielgebiet waren, haben wir gesehen, dass sich dort große
                          > Maschinen bewegten. Da dachten wir, dort werden wir bestimmt gleich
                          > festgenommen und kommen nicht mehr in Ruhe zu unserer
                          > Friedensmeditation. Deshalb haben wir uns dann dort an einer
                          > Weggabelung hingesetzt, haben unser großes Transparent mit der
                          > Aufschrift "Frieden" ausgerollt und erstmal meditiert. Uns war es
                          > wichtig, dort auf dem Gelände nicht nur spazieren zu gehen, sondern
                          > auch in dieser besonderen Form dort am Ort des Unrechts präsent zu
                          > sein. Wir haben dort ganz stark unsere Verbundenheit mit dem Leben
                          > gespürt. Aber so eine Meditation macht auch aufmerksam für die eigenen Anteile an
                          > Gewalt und
                          > Unrecht.
                          > 
                          > Aber du hast ja nach dem Ablauf gefragt. Nach unserer Meditation sind wir
                          > weitergegangen zu dem Gelände, das als Zielgebiet vorbereitet ist. Die
                          > Bauarbeiter waren ganz in der Nähe. Sie haben uns gesehen, und wir
                          > hatten den Eindruck, dass sie drüber reden, ob sie was unternehemn
                          > sollen. Aber sie sind dann einfach weiter ihrer Arbeit nachgegangen.
                          > Wir sind mitten auf diese große, planierte Fläche gegangen, wo die
                          > Bundeswehr die Bomben abwerfen will. Dort haben wir nochmal meditiert,
                          > diesmal nur kurz, denn es ging ein kalter Wind. Wir haben dort ein
                          > großes Peace-Zeichen in den Sand gemalt und uns in seine Mitte
                          > gestellt. Es war ein ganz großer Unterschied, dort in dieser kahlen
                          > Landschaft zu stehen, ein starker Kontrast zu der Schönheit der
                          > Heidelandschaft, in der wir vorher meditiert hatten.
                          > 
                          > Anschließend sind wir auf der Straße zum Pink Point gegangen. Dabei
                          > kamen uns mehrere Fahrzeuge entgegen, in denen wohl Bauarbeiter saßen.
                          > Wir haben uns gegenseitig gegrüßt, das war alles. Kurz vor dem Pink
                          > Point dachten wir dann, jetzt bekommen wir es doch noch mit den
                          > Feldjägern zu tun. Ein Bundeswehr-Jeep kam auf uns zu. Aber auch der
                          > fuhr vorbei, und der junge Soldat darin hat uns freundlich gegrüßt.
                          >  
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                          >
                          > 
                          > In einigen wenigen Bereichen des riesigen Platzes liegen noch Munitionsschrott und
                          > sicherlich einige sogenannte Blindgänger, also nicht explodierte Bomben und
                          > Granaten, herum. Die ehemals kargen und versandeten Flächen sind heute wieder
                          von
                          > Heidekraut, Sträuchern und Bäumen bewachsen. Hattet Ihr Angst vor und bei dem
                          > Betreten des Geländes?
                          > 
                          > Wie seid Ihr mit dieser Gefahr praktisch umgegangen?
                          > 
                          >  
                          > 
                          > Antwort zu 4:
                          > Wir hatten uns vorher sehr genau erkundigt, welche Gefahren da auf uns
                          > warten. Vom Zielgebiet wussten wir, dass es von Munitionsresten
                          > geräumt ist. Ansonsten sind wir nur auf Wegen gegangen, denen anzusehen war,
                          > dass darauf öfter Fahrzeuge fahren. Wir haben keine Abkürzungen durchs
                          > Gelände genommen, auch dann nicht, wenn da einzelne Fahrspuren waren.
                          > Wir hatten vorher vereinbart, dass wir lieber umkehren, als einen
                          > unsicheren Weg zu gehen. So zu dritt ging das ganz gut, wir konnten uns da sehr
                          gut
                          > auf
                          > einander verlassen. Wir haben an jeder Wegkreuzung neu miteinander
                          > entschieden, wo wir weitergehen. Falls wir beim nächsten Mal mit
                          > mehr Leuten kommen, würden wir nur Wege gehen wollen, die mindestens
                          > eine Person in der Gruppe richtig kennt, so dass man den Weg vorher
                          > in Ruhe genau besprechen kann.
                          > 
                          > Ein gewisses Risiko bleibt natürlich immer. So ein Blindgänger kann ja
                          > aus irgendeinem blöden Grund gerade dann hochgehen, wenn wir in der Nähe
                          > vorbeilaufen, zum
                          > Beispiel weil wir ein Reh aufscheuchen und es darüber stolpert. Aber
                          > wir haben mehr Angst vor dem, was ziemlich sicher passiert, wenn wir
                          > uns nicht gegen das Bombodrom wehren.
                          > 
                          > 
                          >  
                          > 
                          > Die VerfasserInnen des Aufrufs fühlen sich der Idee der gewaltfreien Aktion
                          > verpflichtet. Das heißt zum Beispiel, dass eine Gefährdung oder gar Bedrohung von
                          > Menschen durch die AktionsteilnehmerInnen ausgeschlossen wird. Eine Gruppe, die
                          > wenige Tage vor euch auf dem Platz war, hatte einige Schilder und Geräte des
                          > Militärs beschädigt bzw. unbrauchbar gemacht. Also genug Stoff für lange
                          > Diskussionen in der „Gewaltfrage“. Doch uns interessiert hier vielmehr, ob Ihr zu
                          > diesen Geschehnissen von Seiten der Bevölkerung rund ums Bombodrom Reaktionen
                          > vernommen habt und ob diese vorausgehende Aktion Einfluß auf eure
                          Vorgehensweise
                          > hatte?
                          > 
                          >  
                          > 
                          > Antwort zu 5:
                          > Wir hatten von der Aktion gehört, und Leute vor Ort hatten uns
                          > gewarnt, dass es dadurch wahrscheinlich sehr viel schwieriger geworden
                          > sei, sich auf dem Platz zu bewegen. Sie vermuteten, dass die Stelle,
                          > wo die Sachen kaputt gemacht wurden, jetzt ständig bewacht ist. Das
                          > war mit ein Grund, warum wir nicht auf dem Gadower Damm auf den Platz
                          > gegangen sind, sondern durch den Wald - wir wollten einfach erstmal da
                          > sein und unsere Meditation machen können, ohne sofort festgenommen zu
                          > werden. Aber es hat sich ja dann gezeigt, dass überhaupt keine
                          > Bewachung da war. Wir sind an dem umzäunten Gelände vorbeigekommen, wo
                          > Sachen beschädigt wurden, da war niemand.
                          > 
                          > Vielleicht war es auch wegen dieser Sabotageaktion, dass manche
                          > unserer Gesprächspartner vor Ort ein bisschen zurückhaltend reagiert
                          > haben, als sie hörten, dass wir eine Aktion machen wollen. Sie dachten
                          > vielleicht, wir hätten sowas ähnliches vor. Wir hatten den Eindruck,
                          > dass die Leute vor Ort uns da keinerlei Vorschriften machen und uns
                          > nicht aushorchen wollten, aber andererseits nach diplomatischen
                          > Möglichkeiten suchten, uns zu ermuntern, doch erstmal die Stimmung und Lage vor
                          Ort
                          > zu erkunden und
                          > nicht gleich "Aktion" zu machen. Für uns war es völlig ok, unseren
                          > Kontaktpersonen vor Ort genau zu erzählen, was wir vorhaben. Offenheit
                          > ist ein wichtiges Prinzip bei gewaltfreien Aktionen. Wie sollen wir
                          > sonst mitkriegen, wenn unsere Pläne gerade gar nicht zu dem passen,
                          > was vor Ort läuft?  
                          > 
                          > Frage:
                          > Noch wird in der FREIen HEIDe nicht gebombt, doch viele Gruppen gehen aus
                          > verschiedenen anderen Gründen jetzt schon auf den Platz. Sollte es dennoch mit
                          dem
                          > Bomben losgehen, sollen die jeweiligen Gruppen durch ihre eintägige, mehrtägige
                          oder
                          > dauerhafte Anwesendheit auf dem Bombenabwurfplatz den Übungsbetrieb be- und
                          > bestenfalls verhindern.
                          > 
                          > Woran sollten Gruppen eurer Meinung nach denken bzw. worauf sollten sie sich
                          > praktisch vorbereiten, wenn sie sich dem Aufruf anschließen wollen und in die FREIe
                          > HEIDe kommen?
                          > 
                          >  
                          > 
                          > Antwort zu 6
                          > 
                          > Wir fanden es für uns sehr gut, das Gelände und die Situation vor Ort
                          > schonmal kennenzulernen, ohne sich gleich mit dem zusätzlichen Risiko
                          > auseinandersetzen zu müssen, dass da vielleicht Bomben geworfen
                          > werden. Wir würden das anderen Gruppen auch empfehlen. Auch wenn jetzt
                          > vor Gericht erstmal ein Erfolg erzielt wurde - wenn jetzt viele
                          > Gruppen den Aufruf in die Tat umsetzen und deutlich machen, dass es Widerstand
                          > gegen das Bombodrom gibt, dann erhöht das die Chancen, dass sie das mit dem
                          Bomben gar nicht
                          > wirklich probieren. Die Bundeswehr wird unsere Ankündigung ernster nehmen, wenn
                          > tatsächlich schon jetzt Gruppen kommen.
                          > 
                          > Ansonsten: Gute Karten besorgen, aber nicht zu viel drauf vertrauen.
                          > Jemanden mitnehmen, der oder die das Gelände kennt,
                          > oder es erst mit einer kleinen Gruppe erkunden. Im Gelände ist ein
                          > Fernglas und ein Kompass gut zu brauchen. Wichtig ist wirklich, vorsichtig zu sein.
                          > Die friedliche Heidelandschaft suggeriert keine Gefahr. Auch wenn man mal eine
                          > Bombenhülse neben dem Weg liegen sieht, bleibt es schwer vorstellbar,
                          > was passieren kann. Die Gruppen sollten sich darüber sehr bewusst
                          > sein, sollten klare Vereinbarungen treffen und sich daran auch ganz
                          > strikt halten.
                          > 
                          > Gut wäre es, wenn es eine Liste von
                          > Übernachtungsmöglichkeiten bei freundlich gesinnten Leuten vor Ort, in
                          > der Nähe des Geländes, gäbe - also Gastwirte, Ferienwohnungen,
                          > Tagungshäuser und so. Die Wege sind sehr weit, wer sich mit dem
                          > Fahrrad bewegen will muss sehr viel Zeit einplanen. Was wir nicht so
                          > gut hinbekommen haben, ist die Pressearbeit. Da wäre es gut, schon vor
                          > der Aktion eine Pressemitteilung im Groben vorzubereiten und mit den Leuten vor
                          > Ort zu besprechen, wie die dann noch vor Redaktionsschluss zu den
                          > Zeitungen kommt. Gut wäre es auch, sich vorher zu überlegen, ob man die
                          > eigene Aktion öffnen will für Aktive vor Ort. Überhaupt: Ganz
                          > wichtig war für uns der gute Kontakt zu euch in der Region - ihr seid
                          > schließlich auch das Bindeglied zu den anderen Gruppen. Nur so wird ein Ganzes
                          draus.
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